Als Natascha und ich neulich bei dem schlimmsten aller Schneestürme im Auto saßen (ich bin noch nicht ganz fertig mit Superlativen: es war die schlimmste Autofahrt, die ich jemals bestritten habe. Und das waren jetzt nicht so wenige), fragte sie mich: „Was würdest du aus heutiger Sicht in deinen frühen Zwanzigern anders machen?“

Hm. Irgendwie finde ich solche „Was wäre wenn?“ und „Hätte ich bloß“- Gedanken ja total blöd und sinnlos. Was soll man denn im Nachhinein schon groß machen? Die Wahl, die man getroffen hat, kann man nicht rückgängig machen. Zumindest nicht rückwirkend über so einen langen Zeitraum. Und dann bin ich ja auch gern ich. Also zumindest an den meisten Tagen. An den anderen… naja. Bei denen bemühe ich mich, dass sie so schnell wie möglich vorbei gehen und das möglichst ohne viel Schaden anzurichten. 

Aber was hätte ich nun wirklich gerne aus jetziger Sicht damals schon verinnerlicht? Jetzt mal abgesehen davon, dass ich es klug finden würde bereits früher mit einer privaten Altersvorsorge zu beginnen. 

Bei einem Auftrag neulich haben sich unsere Wege mit dem eines österreichischen Ministers gekreuzt. Er ist Österreichs jüngster Minister und auch wenn ich seine Ansichten nicht teile, seine Politik nicht schätze, so muß ich doch sagen… in dem Alter: Beachtlich! Die Art ein Gespräch zu führen (solche Dinge lassen sich auch gut aus der Ferne beobachten), alle Gesprächspartner*innen miteinzubeziehen, die Richtung zu weisen etc. Sicherlich, solche Umgangsformen sind erlernbar, aber da gehört auch noch eine gewisse Art von Selbstsicherheit und eine Portion *scheiß mir nix* dazu sehr jung so einen Weg einzuschlagen und zu meistern.

Und von eben diesem *scheiß mir nix* hätte ich rückwirkend gern einige Portionen bestellt. Nicht, dass ich gerne einen Weg als Politikerin eingeschlagen hätte, aber manches Mal habe ich sicher nicht groß genug gedacht, nicht groß genug geträumt. Und mir nicht genug oder viel zugetraut. 

Und schließlich kochen ja doch alle nur mit Wasser. Es gibt vermutlich keine ‚secret sauce‘ außer es ganz einfach zu machen. 

So muss es wohl auch Jonas Peterson ergangen sein, als er sich vornahm einer der berühmtesten Hochzeitsfotografen zu werden. Das hat er auch geschafft und zu Recht. Wir beide lieben seine Arbeit und verfolgen seine Karriere seit Jahren. Aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich von seinem Workshop den wir in Amsterdam besucht haben beflügelt und inspiriert nachhause gekommen wäre. Leider nein. Auch Jonas kocht nur mit Wasser. Seine ‚secret sauce’ ist sein eiserner Wille und sein Mut Dinge anders als alle anderen zu machen. Nichtsdestotrotz habe ich viel gelernt. Und sei es, dass sometimes you need to kill your idols. Vielleicht ist es ja nicht zu spät mit *scheiß mir nix* anzufangen. Ein bisschen zumindest. Ihr dürft gespannt sein ;)

Amsterdam war darüber hinaus wunderbar. Darüber bin ich sehr froh, denn für mich war das mein insgesamt vierter Aufenthalt in dieser Stadt und alle drei (!) vorhergehenden waren total missraten. Wie das möglich ist, ist auch mir ein Rätsel. Diesmal war es wunderbar, die Herbstsonne hat uns verwöhnt und ebenso die lieben Freundinnen, die wir da getroffen und besucht haben. 

Alle Fotos sind mit unserer analogen Mamiya 645 Mittelformatkamera auf Portra 400 Film fotografiert und im Carmencita Lab ausgearbeitet worden.

Destination Wedding

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