Heute waren wir mit einer ganz lieben Braut verabredet, um ihr die Bilder ihrer Hochzeit zu geben. Als wir uns verabschiedet haben, meinte sie: 'Sagt mal, was ist denn mit eurem Blog? Ich hab den immer so gern gelesen!' 

Und bei mir sind da sofort zwei Dinge passiert:

1. Das liest jemand?! Und dann auch noch gern?! 

2. f*, sie hat recht. Wir waren abgelenkt, busy, haben viel Arbeit, waren auch ab und zu lieber an der frischen Luft und haben uns auch teilweise an lauen Sommerabenden (manchmal auch Nächte) durch die Stadt treiben lassen. 

Und eigentlich haben wir viel zu teilen und herzuzeigen, wie zum Beispiel etwas, worüber ich bereits im Juni angefangen habe zu schreiben. Es war ein besonderes Erlebnis, das mich sehr berührt hat. Es hat mit Armut zu tun. Mit den vielen Menschen, die man in letzter Zeit in Wien sieht, die betteln. Verglichen mit anderen Städten, sind es noch immer ganz wenig. Ich, wie vermutlich die meisten anderen Menschen, gebe meistens nichts, wenn ich gefragt werde. Manchmal bestehen meine Kinder darauf, was ich nie abschlagen kann. Aber meistens gehe ich weiter, schüttle verneinend den Kopf. Auch ein bisschen weil ich mich nicht konfrontieren will. Ehrlich gesagt: es ist komfortabler, wenn ich ganz schnell wieder vergessen kann, dass es manchen Menschen direkt neben mir schlecht geht. 

Manchmal bin ich auch unsicher: kommt das Geld bei den Menschen an, denen ich es gebe? Ihr wisst schon, wie bei den Spendenaktionen für NGOs. Da ist die Sache so toll und dann zahlt man erst wieder einen guten Anteil für den Verwaltungsapparat, weil natürlich auch die Leute, die dort Arbeiten entlohnt werden müssen (und das vermutlich eh zu gering). 

Es sollte auf dieser Welt einfach keinen Hunger geben. 

 

Wie kann man sicher gehen, dass das, was man gibt, wirklich bei den Menschen bleibt denen man etwas gibt? Ich bin dazu übergegangen Essen zu kaufen. 

Mein morgendlicher Weg ist immer der gleiche und da gibt es einen Mann, den ich mindestens zwei Mal in der Woche treffe. Er scheint ebenso jeden Morgen den gleichen Weg zu haben. Nur so, dass er mir entgegen kommt. Er fragt immer nach Unterstützung. Das letzte Mal als ich an ihm vorbei ging ohne etwas zu geben, war ich schon voller Scham. Klar, man kann nicht immer und jedem etwas schenken, aber mein Gewissen sagte mir ganz laut und deutlich, dass das, was ich bereit war zu geben zu wenig war. Das letzte Mal zu lange her. Und dass ich mich beim nächsten Mal nicht so einfach davonstehlen könne. 

Und so kam es. Same time, same place. Diesmal habe ich nicht den Kopf geschüttelt, ich habe angeboten etwas im Supermarkt zu kaufen. Und so sind wir also hinein, es wurde gewählt und ich habe verlangt, dass der Aufkleber mit dem Barcode an mich ausgehändigt würde. Als der Herr und ich an der Kasse stehen und ich bereits bezahlt habe und wir im Begriff sind zu gehen, ruft die Dame von der Kasse plötzlich: „He, Kollega“. Und ich merke, wie sowohl der Mann mit seiner noch warmen Schnitzelsemmel als auch ich irgendwie in Schockstarre geraten. 

In mir läuft sofort das Verteidigungsprogramm hoch. ‚Was für eine Frechheit,‘ denke ich. Und: ‚Er war doch die ganze Zeit mit mir zusammen. Die will ihn jetzt nicht wirklich durchsuchen, weil sie denkt, er hätte geklaut‘. 

„Was wollen Sie von ihm?“ höre ich mich bellen. Und sie? Sie zieht einen 10€ Schein aus der Hosentasche und reicht sie dem verdutzten Mann. 

Anschliessend danken die Dame von der Kasse und ich einander und tauschen uns über diesen schönen und angenehmen Menschen aus. Sie sagt: „Wer weiß, was ihm passiert ist.“ Ja, wer weiß. 

 

Jedenfalls war das eines der schönsten Erlebnisse in diesem Jahr. Und das ganze um €2,38. Unglaublich eigentlich.

Wann habt ihr zum letzten Mal gegeben? Einfach so?

 

GIVE MORE! LOVE MORE!

Es fühlt sich verdammt gut an!

 

Comment